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Was sind Lawsuit Gitarren?

Als Lawsuit bzw Pre-Lawsuit Gitarren werden im allgemeinen die Gitarren bezeichnet bei welchen die Kopfplatte von Gibson oder Fender, je nach Modell, Eins zu Eins kopiert wurden. Dies geschah vorwiegend in den 70er Jahren und vereinzelt auch noch in den frühen 80ern. Um im westlichen Markt Fuß zu fassen, verfolgten Japanische Gitarrenhersteller zu dieser Zeit die Strategie, originalgetreue Kopien der dort beliebtesten Gitarrenmodelle anzufertigen. Die bekanntesten Kopien aus der Ära sind wohl die Nachbauten der Gibson Les Paul und der Fender Stratocaster.

Wie kam es dazu

Als Gibson zu beginn des 20. Jahrhunderts gegründet wurde, stellte die Firma zunächst hochwertige Ukulelen, Mandolinen und Banjos her. Erst in den 1920er Jahren begann das Unternehmen Gitarren als Hauptprodukt zu fertigen. Schnell erarbeitet sich Gibson auch in diesem Bereich, dank innovativer Erfindungen, einen hervorragenden Ruf. 1936 kam mit der ES-150 die erste seriengefertigte E-Gitarre auf den Markt. Somit war Gibson der Vorreiter bei der Entwicklung der E-Gitarre.

Aufgrund des anhaltenden wirtschaftlichen Erfolgs des Unternehmens, wurde Gibson 1969 von Norlin Industries aufgekauft. Norlin hatte mit dem Musikgeschäft eigentlich nichts zu schaffen und so verwundert es nicht dass es Norlin nicht darum ging, mit Gibson die bestmöglichen Instrumente zu bauen, sondern eher darum den größtmöglichen Gewinn aus dem Geschäft zu erwirtschaften. In folge dessen kam es zu vielen Sparmaßnahmen, gefolgt von daraus resultierenden starken Qualitätseinbußen der Instrumente. Gibsons Ruf litt dadurch deutlich während dieser „Ära“. Erwähnt sei noch das auch Fender zu dieser Zeit mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Während die „großen“ westlichen Marken stark schwächelten, nutzte man in Japan die Gunst der Stunde. Die Japanische Firma „Hoshino Gakki“ kooperierte zunächst mit der, in den USA ansässigen, Firma „Elger Guitars“. Diese übernahm von 1965 bis 1970 den Vertrieb für Hoshino Gakki Gitarren in Amerika und wurde 1971 gänzlich von Hoshino Gakki aufgekauft. Da Gitarren aus Japan, aufgrund minderwertiger Fertigung, in den 60ern noch keinen allzu guten Ruf hatten, entschloss man sich dagegen einen Japanischen Namen für die Gitarren zu verwenden. So bot es sich an „Ibanez“ fortan als Name für diese Gitarren zu verwenden, da die Spanische Firma zuvor ebenfalls von Hoshino Gakki aufgekauft wurde.

Elger Guitars wurde nach der kompletten Übernahme durch Hoshino Gakki 1971 in „Ibanez USA“ umbenannt. Durch die von Jahr zu Jahr zunehmende Fertigungsqualität der günstigeren Les Paul Kopien von Ibanez, geriet Gibson langsam unter Zugzwang. Schließlich griffen mehr und mehr einstige Gibson Kunden lieber zur Qualitativ mindesten ebenbürtigen und dazu noch günstigeren Konkurrenz. Im Juni 1977 reichte Gibson schließlich Klage gegen Ibanez ein.

Der Lawsuit

Gegenstand der Klage war das „Openbook“ Design der Kopfplatte, welches Gibson als sein Markenzeichen beanspruchte und von Ibanez detailgetreu Kopiert wurde. Schaut man sich nun aber den Ibanez Katalog von 1977 an, so wird man feststellen dass die Kopfplatte bereits ein anderes Design bekommen hat. Warum wurde nun also wegen etwas geklagt was gar nicht mehr aktuell war?

Es ist anzunehmen das Gibson und Ibanez intern schon länger wegen dem Design der Kopfplatte im Streit lagen, was schließlich im Einreichen der Klage gegen Ibanez gipfelte. Vermutlich ahnte man bei Ibanez schon was kommen würde und änderte rechtzeitig das Design. Auch wurden neue eigenständige Produktserien vorgestellt, so dass Gibsons Klage der Wind aus den Segeln genommen wurde. Schlussendlich wurde die Klageschrift niedergelegt und man einigte sich 1978 außergerichtlich. Ibanez verpflichtete sich dazu keine Nachbauten der „Openbook“ Kopfplatte von Gibson zu verwenden.

Auswirkungen

Die Pre-Lawsuit Phase endete also im Herbst 1976 bei Ibanez, als sie offiziell ein neues Kopfplattendesign einführten. Den Rechtsstreit hatten sie ebenfalls ohne Schaden überstanden und hatten nun den Kopf frei sich von ihren Altlasten zu befreien. Ende der 70er und vor allem in den 80ern erlebte Ibanez einen waren Aufschwung, die Fertigungsqualität stieg weiter und es wurden viele neue eigene Designs und Produkte entworfen.

Ibanez nutzte geschickt die Designs bekannter Gitarrenmodelle um im westlichen Markt Fuß zu fassen. Nachdem sich die Marke einen guten Ruf erarbeitet und auf dem etabliert war begann man rechtzeitig eigenständige Modelle zu entwerfen, was den Rechtsstreit mit Gibson jegliche Grundlage entzog und einen noch größeren Markt eröffnete.

Obwohl sich der Rechtsstreit ausschließlich zwischen Gibson und Ibanez abspielte, verschwanden nach diesem auch die meisten anderen „Pre-Lawsuit“ Gitarren anderer Japanischer Hersteller vom Markt. Tokai, Greco, Burny waren zu dieser Zeit ebenfalls bekannt dafür sich „openbook“ Designs zu bedienen, aber vermutlich um einen eventuellen Rechtsstreit mit Gibson aus dem Weg zu gehen wurden ebenfalls eigenständige Kopfplatten designed.

Fazit

Wie eingangs schon erwähnt werden im Internet, vor allem auf Verkaufsbörsen, gerne alle Gitarren welche die Kopfplatte von Gibson oder Fender haben, als Lawsuit bzw. Pre-Lawsuit Gitarren bezeichnet. In Wirklichkeit bezog sich der Streitfall allerdings lediglich auf die von Ibanez gefertigten Modelle. Deshalb handelt es sich nur bei den Ibanez Modellen die von 1970 bis 1976 gebaut und das „openbook“ Kopfplatten Design verwendeten um „richtige“ Pre-Lawsuit Gitarren.